Rost bekämpfen

Anleitungen, die ihr selber geschrieben habt oder Links die ihr hilfreich findet könnt ihr hier posten. Anfragen zu Anleitungen bitte nicht hier, sondern im Forum zur eurem Motorrad posten.

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BlAcK_xR-rIdEr
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Rost bekämpfen

Beitragvon BlAcK_xR-rIdEr » 15.07.2010, 13:49

Benötigtes Material:

-Winkelschleifer (Flex), Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz
-Schleifpapier von 80 bis 400
-Schraubenzieher zum Hebeln etc.
-konzentrierte Phosphorsäure H3 PO4
-Natronlauge NaOH (alternativ dest. Wasser und Kaisernatron)
-Säurefeste Handschuhe
-versch. Pinsel und Lappen
-Glasfaserspachtel (Nigrin)
-Feinspachtel (Nigrin)
-Rostschutzgrundierung
-entsprechenden Autolack (ebay: Carpaintshop)
-Klarlack

-evtl. Bier/andere Getränke; Radio/Cd-Player

Schritt 1: Rost finden

Rost entsteht meistens an Stellen am Fahrzeug, wo viel Wasser, Schmutz etc. hinkommt. Z.B an Türen, Radläufen, Kotflügeln und Heckklappen.
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Hier ist der Rost deutlich zu sehen und sollte schleunigst beseitigt werden. Es kann aber auch sein, dass sich Rost unter Lack bildet, der auf den ersten Blick noch gut erscheint. Hier muss nicht zwingend sofort angesetzt werden, aber wenn man schon dabei ist, einfach in einem Arbeitsgang erledigen. Irgendwann muss es sowieso gemacht werden. Sollche Stellen erkennt man durch leichte Erhebungen oder farbliche Veränderungen im Lack

Schritt 2: Rost beseitigen

Hier kommen Flex und Bohrmaschine zum Einsatz. Leicht verrostete Stellen können mit dem Drahtbürsten aufsatz von Lackresten und Rost befreit werden. Hierbei werden nur die obersten Materialschichten abgetragen und es entsteht keine Schwächung des Materials. Geht der Rost aber tiefen, hilft nur noch die Flex. Einfach mit angewinkelter Trennscheibe die jeweiligen Stellen bearbeiten bis blankes Metall entsteht.
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An Stellen wo der Rost schon tief gefressen hat, sind jetzt schwarze Punkte zu sehen. Diese sollten so weit wie möglich entfernt werden. Hierbei können Löcher im Material entstehen, was aber nicht weiter schlimm ist (anTüren und Radläufen, sprich Teilen die keine tragende Funktion haben). Es sollte darauf geachtet werden, dass der Rost großflächig beseitig wird, also um die befallene Stelle weiträumig schleifen, bis nur noch gesundes Metall freigelegt wird. Dabe wird man manchmal Überaschungen erleben und Rost finden, wo von außen alles gesund aussah.

Schritt 3: Anrauen

Alle blanken Metallteile sollten jetzt mit 80 Schleifpapier angeraut werden. Dies ist wichtig, damit später der Spachtel halten kann. Also auch hier äußerst gründlich arbeiten!

Schritt 4: Reinigen

Die nun angerauten und rostfreien Stellen müssen nun gründlich gereinigt werden. Nehmt die säurefesten Handschuhe ein paar Lappen und die Phosphorsäure zur Hand. Mit dem in Phosphorsäure getränkten Lappen alle Stellen gründlich abwischen. Hierbei verschwinden letzte Roststellen, die man mit bloßem AUge evtl gar nicht sehen kann.

Schritt 5: Phosphatieren

Jetzt mit einem dünnen Pinsel alle zu behandelnden Stellen mit reichlich Phosphorsäure bepinseln. An Stellen wo die Säure nicht frei abtropfen kann, sondern über andere Lackstellen laufen würde, muss entweder weniger Säure aufgetragen werden, oder die Lackstellen abgeklebt werden. Jetzt lässt man das ganze für 24h stehen bzw. trocknen. In der Zeit kann man sich ausruhen oder neues Bier holen.

Schritt 6: Neutralisieren

Die behandelten Stellen sollten jetzt eine mattgraue Oberfläche aufweisen.
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Dies sind Eisenphosphate, die sich durch Reaktion mit der Säure gebildet haben. Das Gute daran ist, das diese nun entstandenen Phosphate nicht rosten können.
Auf dem Metall befindet sich aber noch immer ein recht großer Rest Säure, da wir eine Überschussreaktion durchgeführt haben. Wird diese nicht entfernt, nagt sie stetig weiter am Metall. Es ist ebenfalls fraglich, ob Spachtel und Lack säureresistent sind.
Hier kommt die Lauge zum Einsatz. Wenn euch der nette Apotheker keine Natronlauge geben wollte, wünscht ihr ihm noch einen schönen Tag und geht rüber zu Schlecker und kauft euch ein paar Tütchen Kaisernatron. Diese löst ihr in warmem dest. Wasser auf. Dies ist jetztt eure Lauge. Falls ihr an Natronlauge gekommen seid, verdünnt diese etwas mit dest. Wasser (je nach Konzentration).
Mit Natronlauge sollte vorsichtig umgegangen werden, die Kaisernatronlösung dagegen ist ungefährlich.
Egal welche von beiden Laugen ihr zur Neutralisation benutzt, nehmt ihr jetzt wieder Lappen und Handschuhe und wischt alle phosphatieren Teile mit reichlich Luage ab. (Bei Verwendung von Kaisernatronlsg. sollte man die Stellen mehrmals abwischen, da die Lauge recht schwach ist und somit nur wenige OH - Ionen enthält). Bei der Neutralisation wird es teilweise zischen und warm werden, da die Reaktion stark exotherm ist. Allerdings nichts wildes. Keine Angst!
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Anschließend sollte nochmal alles mit dest. Wasser gespült werden und gründlich abgetrocknet werden.

Der Rost ist nun entfernt und verbannt. Jetzt kommen Spachtel und Lackarbeiten.

Schritt 7: Spachteln

Glasfaserspachtel
Angefangen wird mit Galsfaserspachtel, da diese beim Schleifen entstandene Löcher und Risse verschließt und zusätzlich materialverstärkend wirkt. Außerdem wird so Wasser und Schmutz vom Metall ferngehalten.
Das Zeug ist ein zwei Komponenten Spachtel es muss also gemischt werden und zwar im genauen Verhältnis. Auf 100g Spachtel kommen 2g Härter. Ein Briefwaage tut hierbei gute Dienste, wenn man keine Apothekerwaage zur Verfügung hat.
Der Spachtel wird auf alle blanken Stellen aufgetragen und kann nach einer halben Stunde in Form geschliffen werden. (80er Papier)
Dies ist die langwierigste und langweiligste Prozedur. Also sorgt für genug Bier/andere Getränke und Musik.
Feinspachtel
Das ganze wiederholt ihr dann mit dem Feinspachtel. Dabei werden Übergänge angeglichen und Kratzer/Schleifspuren geschlossen. Hierbei kann auch feiner geschliffen werden. Bis zum 240er.

Grundieren

Ich empfehle die Grundierung von Louis, da sie recht billig ist und vorallem letzte Unebenheiten schließt. Wenn man sich die Mühe machen will, alles abzukleben, kann man die Grundierung sprühen. Ich habe sie allerdings gepinselt, weil es schneller geht an den vielen kleinen Stellen.

Lackieren

Hier ist wichtig das der Farbton stimmt. Ich habe gute Erfahrungen mit dem Ebayshop Carpaintshop gemacht. Diese mischen einem die Farbe frisch zusammen und füllen sie in eine Sprühdose. 14€ die Dose.
Anschließend alle Flächen noch mit Klarlack besprühen/bepinseln.

Fertig

Ich will hier keine Werbung für bestimmt Produkte machen. Die angegebenen Sachen haben sich nur bei mir bewährt uund werden deshalb weiterempfohlen.

Die Aktion ist ziemlich viel Arbeit, aber ihr solltet euch den Gefallen tun und äußerst gründlich arbeiten, dann das Ganze auch.

Viel Spaß
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon Holon » 15.07.2010, 15:58

Danke ! :D

Ich hab mal geschaut, bei ebay gibts ja auch so Rostumwandler. Also Brunox, oder Fertan ?
http://cgi.ebay.de/ROSTUMWANDLER-FERTAN ... 3a5ccba12a

Taugt so nen Zeugs ?
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon BlAcK_xR-rIdEr » 15.07.2010, 17:43

Mhh ja Rostumwandler wird ja von einigen sehr gelobt, aber ich traue dem Braten nicht wirklich. Zum einen ist eine chemische Rostentfernung immer nur oberflächlich (im zehntel mm Bereich), dann bleibt unten Rost. Ist ja nur eine Frage der Zeit bis durch feinste Haarrisse im Lack/Spachtel wieder Sauerstoff zum Metall dringt und es weiter rosten kann.
Andererseits ist mir der chemische Vorgang nicht ganz nachvollziehbar. Angeblich reduziert die Soße Eisendreioxid zu Eisenzweioxid und das Ganze bequem über Nacht. Ist so aber gar nicht möglich, da man einiges an Energie zuführen müsste, weil stark endotherm. Ich denke mal, dass in diesen Wundermittelchen auch Säuren sind (vermutlich sogar auch Phosphorsäure) und diese dann eine Reaktion mit dem Eisenoxid starten. Sprich den Sauerstoff durch Phosphor erstzen.
Ohne eine gewissenhafte mechanische Entrostung wird dir der Rostumwandler nicht lange nutzen und dann kannst Du auch gleich Phosphorsäure nehmen. Davon brauchst Du weniger, weils in der Reinform vorliegt und billiger ist das Zeug auch noch. 1 Liter = 10€ Du brauchst keine 50ml fürs ganze Auto. Das Zeug hält ewig.
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon Holon » 15.07.2010, 17:56

Ich will sowieso alles blankflexen ! Nur dann halt Rostumwandler drauf und dann Spachtel drüber ! :D Wäre jedenfalls einfacher zu organisieren.
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon WratH# » 15.07.2010, 20:35

Danke :)
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon Magguz » 19.07.2010, 08:17

Klasse Beitrag... chemie LK gehabt? ;-)

Mit welcher Konzentrationen der Säure und Lauge hast du denn gearbeitet, und wo hast du H3PO4 her?

@Holon:
Ich kann Fertan Rostumwandler gute Dienste bescheinigen. Hab meinen DR-Rahmen damit behandelt, schau mal in meinen Threat.

Die Wirkungsweise ist ähnlich. Fertan enthält Gallussäure, die mit dem Rost reagiert und eine Passivierunsschicht bildet.
Jedoch ist das entstehende Salz (Eisengallat) stabiler als die mit Phosphorsäure entstehenden Phosphate.
Wenn man das Zeug mehrmals und gründlich anwendet (mindestens 24h Einwirkzeit; evtl mehrmals anwenden), wird man gute Ergebnisse erzielen.
Dazu ist das ganze ungefährlicher und einfacher (nur mit Wasser abspülen), jedoch wohl nicht so günstig wie die Variante hier..

Gruß Magguz
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon BlAcK_xR-rIdEr » 19.07.2010, 11:40

Chemie LK hab ich momentan, also nach den Ferien wieder.^^

H3PO4 bekommt man z.B. bei ebay für 10€ je Lite. Ich hab meinem Chemie Lehrer vor den Ferien gut zugeredet, dass er mir ein bisschen was abzweigt. Man braucht ja nicht viel und somit war das Ganze kostenlos. :) Ansonsten gibt es das Zeug auch in der Apotheke.

Und gefährlich ist das nicht wirklich. Ich hab nur auf mögliche gefahren hingewiesen, damit nicht nachher Geheule losgeht. In Phosphorsäure kann man sich zur Not die Hände waschen. ;-)
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon Magguz » 19.07.2010, 13:04

Paracelsus: "Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist."

In konzentzrierter Phosphorsäure würd ich mir nicht die Hände waschen (siehe R- und S-Sätze). Zumindest für die erste Protolysationsstufe zählt sie bestimmt zu den starken Säuren.
Verdünnt jedoch trink ichs desöfteren (Cola)...
Beim hantieren mit konzentzrierter (?) Säure sind Handschuhe+Schutzbrille ratsam. Bei Fertan auch, sonst hat man 4 Tage lang schwarze Griffel... :00000487

Für Hobbychemiker und Leute, die grob wissen was man beachten muss (neutralisation und so), ist das bestimmt ne günstige Alternative.
Dem Laien würd ich eher die handelsüblichen Mittel, dazu die Beachtung der jeweiligen Anleitungen, empfehlen.


Gruß Magguz
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Re: Rost bekämpfen

Beitragvon Holon » 20.07.2010, 17:22

Klingt gut, so mach ichs. Glaube mein Ex-Chef hatte Fertan irgentwo noch rum stehen :D
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